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Newroz 2010: Zerstörung von Bühnen, vereinzelte Festnahmen und ein Toter in ar-Raqqa

8. April 2010 – Während die diesjährigen Newrozfeierlichkeiten in der Provinz al-Hasaka vergleichsweise ruhig verliefen, kam in der syrischen Stadt ar-Raqqa (Provinz ar-Raqqa) mindestens eine Person bei Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften ums Leben. KurdWatch dokumentiert die Ereignisse in chronologischer Reihenfolge:
Am 20. März 2010 zerstörten Mitarbeiter des Rathauses von ʿAmuda im Dorf Dugir (Unterbezirk ʿAmuda) die für die Newrozfeier am nächsten Tag vorbereiteten Zelte sowie die Bühne. Acht syrisch-kurdische Parteien, die sich seit Dezember 2009 zum Kurdischen Politischen Rat zusammengeschlossen haben, hatten zu den Newrozfeierlichkeiten aufgerufen. Das eigentliche Fest am 21. März verlief ungestört.
Auch in al‑Malikiya (Dêrik) wurde am 20. März 2010 die Newrozbühne zerstört, auch hier verliefen die Newrozfeierlichkeiten selbst friedlich.
Am Vormittag des 21. März 2010, zwischen neun und zehn Uhr, kam es in der Nähe der Newrozbühne der Partei der Demokratischen Union (PYD), nahe des Getreidesilos nördlich der Stadt ar-Raqqa, zu Zusammenstößen zwischen syrischen Sicherheitskräften und Anhängern der PYD. Auslöser war ein Disput zwischen einer Gruppe von Arabern sowie PYD-Anhängern: Erstere störten sich an einem Bild von PKK-Führer Abdullah Öcalan, das an der Bühne befestigt war. Die Auseinandersetzung entwickelte sich zu einer Schlägerei, gegen die die anwesenden Sicherheitskräfte Wasserwerfer einsetzten. Anhänger der PYD reagierten mit Steinwürfen gegen die Fahrzeuge der Sicherheitskräfte, was diese wiederum provozierte, mit scharfer Munition in die Menge zu schießen. Mihemed Heyder Ûmer (geb. 1992) wurde durch einen Kopfschuss getötet, weitere Personen erlitten Schussverletzungen und wurden später in den örtlichen staatlichen Krankenhäusern behandelt. Auch unter den Sicherheitskräften soll es Verletzte gegeben haben. Informationen, denen zufolge eine junge Frau mit Namen Medya Qewas Mesî (angeblich 22 Jahre alt) sowie eine weitere Person getötet wurden, konnten bislang nicht bestätigt werden.
Im Zusammenhang mit den Ereignissen in ar-Raqqa wurden zahlreiche Personen verhaftet, gegen einen Teil von ihnen wurde wegen des Schürens rassistischer und konfessioneller Ressentiments Klage erhoben. Einige wurden kurze Zeit später wieder aus der Haft entlassen, ihre Fälle sind jedoch weiterhin bei Gericht anhängig.
Trotz intensiver Recherche war es KurdWatch nicht möglich, nähere Informationen – insbesondere gesicherte Personalien von Verletzten und Inhaftierten – in Erfahrung zu bringen. Dies hängt u. a. damit zusammen, dass die Sicherheitsbehörden in ar-Raqqa die Zugänge zu den staatlichen Krankenhäusern und somit zu wichtigen Augenzeugen unterbunden haben. Zudem erfolgte keine Information der Öffentlichkeit über die Zahl der Toten, Verwundeten oder Inhaftierten. Die Tatsache, dass ar-Raqqa außerhalb der überwiegend kurdischen Gebiete liegt, hat die Recherche zusätzlich erschwert.
Am 21. März 2010 wurden in al-Hasaka mehrere Personen auf dem Weg zu den dortigen Newrozfeierlichkeiten verhaftet: Zum einen Qehreman Ibrahîm Elî (geb. 1974) und Nuʿman Silêman Ehmed (geb. 1971). Beide befinden sich bis heute im Gefängnis von al-Qamischli. Zum anderen zu nennen sind Lezgîn Hesno, Bengîn Hesno, Fêsel Xelîl, Mihemed Xelîl und Kanîwar Xelîl. Ihnen wird das Schüren rassistischer und konfessioneller Ressentiments zur Last gelegt. Auch sie befinden sich bis heute im Gefängnis von al-Qamischli.

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